Zusammenfassung

Das Requirements Information Model (RIM) dient als struktureller Rahmen zur Definition und Organisation sämtlicher Anforderungsarten sowie Artefakte innerhalb eines Projekts oder Vorhaben. Durch eine systematische Auseinandersetzung mit diesen Informationen wird eine klare Strukturierung und Notation ermöglicht, was besonders bei Unklarheiten über die notwendige inhaltliche Tiefe hilft.

Das Modell kategorisiert Projektdaten nach verschiedenen Abstraktionsebenen, Lösungsunabhängigkeit und spezifischen Anforderungstypen, wie etwa funktionalen Aspekten oder Randbedingungen.

Dieser methodische Ansatz fördert ein gemeinsames Verständnis und dient als essenzielle Orientierungshilfe für Rollen im Produkt- und Projektmanagement sowie im Requirements Engineering.

Wie erstellt man ein Requirements Information Model (RIM)?

Ein RIM „passiert“ nicht einfach, es muss bewusst geplant werden, idealerweise ganz zu Beginn des Projekts. Die Methodik folgt dabei drei orthogonalen Dimensionen:

  1. Anforderungsart: Klassifizierung in funktionale Aspekte, Qualitätsanforderungen und Randbedingungen.
  2. Lösungsunabhängigkeit: Unterscheidung zwischen abstrakten Zielen, Szenarien und konkreten lösungsorientierten Anforderungen.
  3. Abstraktionsebene: Festlegung, ob eine Information auf der Produkt-Ebene (Gesamtsystem), der technischen Ebene (Module) oder der Design-Ebene angesiedelt ist.

Spezifikation

  • Name des Artefakts
  • Notationen/Tools welche für die Beschreibung, Darstellung oder Spezifikation des Artefakts benutzt werden
    • z.B. textuell, EARS, BPMN 2.0, Mock-Up, Prototyp, User Story
  • Abstraktionsebene
    • Produkt-Ebene: Der Umfang/Ziel ist das gesamte Produkt oder System
    • Technische Ebene: Ein einzelnes Modul oder Einheit des Produkts/System
    • Design Ebene: Tiefgehende, hostspezialisierte Units welche für die Realisierung des System benötigt werden
  • Lösungsunabhängigkeit
    • Ziele
    • Szenario
    • Lösungs-unabhängige Anforderungen
    • Lösungsorientierte Anforderungen
  • Anforderungsart
    • Randbedingung
    • Qualitätsanforderung
    • Funktionale Anforderung

Anwendung im Projektalltag

Warum der ganze Aufwand? Das RIM ist weit mehr als eine theoretische Übung. Es ist eine essenzielle Orientierungshilfe für alle Rollen im Produktmanagement und Engineering.

1. Das RIM als Fundament des Management-Plans

Das RIM bildet einen zentralen Baustein des Requirements Management Plans (RMP). Ohne ein klares Informationsmodell ist es kaum möglich, konsistente Attributierungsschemata, Priorisierungskriterien oder Verfolgbarkeits-Ketten (Traceability) aufzubauen.

2. Einsatz in agilen Projekten

Besonders in agilen Umfeldern hilft das RIM dabei, langlebige Informationen (wie Geschäftsregeln oder System-Architekturbeschreibungen) von flüchtigen „Arbeitsanweisungen“ (User Stories) zu trennen. Während eine User Story nach der Umsetzung oft an Bedeutung verliert, bleiben die im RIM definierten Regeln als Wissensbasis für das System bestehen.

3. Konsistenzprüfung und Qualitätssicherung

Ein gut definiertes RIM erlaubt es, die Anforderungsdokumentation auf formale Vollständigkeit zu prüfen. „Haben wir für jedes Geschäftsziel die entsprechenden Systemanforderungen definiert?“ oder „Sind alle funktionalen Anforderungen durch Testfälle abgedeckt?“.

Hinweis

Das RIM kann auch gut zur Strukturierung und Orientierung in agilen Projekte verwendet werden, um langlebige Informationen wie Regeln oder System-Beschreibungen getrennt von der eigentlichen «Arbeitsanweisung pro Zeitdauer» (User Story) zu dokumentieren.

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